Reise in die Normandie, Teil 1 - Belambra Club und Bayeux
Grün ist sie vor allem, die Normandie. Bis kurz vor der Küste ahnt man nicht, dass das Meer nah ist. Felder, Wiesen - alle nicht besonders groß und immer von Bäumen und Sträuchern eingerahmt. Kleinere Straßen liegen oft unterhalb der umgebenden Landschaft und man fährt durch kleine Schluchten, rechts und links erst ein kleiner begrünter Wall und darauf Bäume. Die Örtchen könnten oft ebenso gut in der Bretagne oder anderswo in Frankreich sein - heller Stein, blaue oder grüne Fensterläden, überall Blumenkästen und Geranientöpfe.
Für sagenhafte 131 EUR haben wir (mit speziellem TravelZoo-Rabatt) eine Woche lang ein Ferienhäuschen in einer kleinen Anlage direkt am Meer ergattern können. Am 23. Mai 2009 fuhren wir los und erreichten abends das Resort Belambra - eine Kette, die in Frankreich und anderen Ländern Ferienparks betreibt. Die Häuschen sind kleine Bungalows in der Architektur der 60er Jahre - nicht besonders hübsch, aber wundervoll gelegen, an einer der wenigen Stellen, an der ein Tal bis zum Meer reicht. Meistens herrscht hier die Steilküste vor. Inmitten großer Kiefern und anderer Bäume liegen die Häuschen, die vor kurzem alle renoviert wurden. In unser Häuschen würden keinesfalls mehr als zwei (kleine) Menschen hinein passen, dazu sind Küche und Bad viel zu eng - stark übergewichtige Menschen würden mit der engen Toilette bereits Probleme haben. Wir aber sind glücklich - der Wohn-Schlafbereich reicht uns aus und genug Stauraum im Schrank ist auch vorhanden. Die Küche ist sogar mit einer kleinen Spülmaschine ausgestattet. Einen Ofen gibt es nicht, aber zwei Ceran-Kochfelder und eine Mikrowelle mit Grillfunktion. Eine kleine Terrasse und Gartenmöbel gehören ebenfalls zum Haus. Um das Bett herum ist es etwas eng und der im Prospekt stolz angekündigte Flachbildfernseher ist so angebracht, dass man im Bett liegend kaum etwas sieht - der Winkel ist ungünstig. Das ist aber halb so schlimm, denn neben sechs französischen Programmen ist nur noch das ZDF und Eurosport in deutscher Sprache zu empfangen, das schmälert das Fernsehvergnügen etwas. ;-)
Unsere ersten Ausflüge führen uns ins nahegelegene Bayeux. Wir selbst wohnen außerhalb des kleinen Ortes Colleville sur Mer und nach Bayeux sind es knapp 20 Kilometer. Eine neue Nationalstraße führt hin, so dass die uralte Stadt schnell erreicht ist. Allerdings haben wir Probleme mit Navina, unserem Navigationsgerät. In Deutschland kennt sie sich bestens aus, aber ihr französisches Kartenmaterial scheint deutlich veraltet. Manchmal kann man ihr das nicht übelnehmen, einzelne Kreisel und Straßenstücke sind ganz offensichtlich gerade erst gebaut oder noch nicht ganz fertiggestellt. An anderen Stellen ist es einfach nur nervig, wenn sie uns mitten auf der Nationalstraße anweist, in 100 Metern abzubiegen, dort aber wirklich gar keine Abfahrt ist. Zudem redet sie besonderen Unsinn und besonders viel, wenn gerade etwas nicht funktioniert und das macht mich ganz schön nervös.
Aber nun zu Bayeux, sprich Bajöö, von den Engländern, die hier zu Hauf unterwegs sind, auch “Beyjuuh” genannt. Es ist die Hauptstadt von Le Bessin, der Region im Nordwesten von Calvados. Sie existierte schon zur Römerzeit und wurde im Jahr 360 Bischofssitz (und blieb es bis heute). Besonders stolz ist Bayeux auf seinen berühmten Teppich, dessen Motive alle Art von Souvenirs zieren. Er ist in einem wunderschönen Museum zu besichtigen. Vermutlich wurde er im Jahr 1077 zur Eröffnung der Kathedrale im Chor aufgehängt. Er ist immerhin 70 Meter lang und zeigt 58 Szenen einer Bildgeschichte.
Die Kathedrale, die wie die meisten französischen Kirchen den Namen Notre Dame trägt, ist von überall aus der Umgebung zu sehen. Der ursprüngliche Bau von 1077 brannte mehrmals teilweise ab und wurde 1479 endgültig vollendet. In Bayeux ist im zweiten Weltkrieg fast nichts zerstört worden und so ist fast jeder einzelne Straßenzug sehenswert. Besonders hübsch ist die Alte Mühle in unmittelbarer Nähe der Kathedrale - dort ist ein schönes Restaurant, in dem es den besten Cidre gibt, den ich bisher getrunken haben und die Galettes (Buchweizen-Crêpes) sind ebenfalls köstlich und reich belegt.
Am Flüßchen Aure sollte man entlang gehen, denn dort liegt die Touristen-Information in einem alten Fachwerkhaus aus dem 14 Jahrhundert und ein blumenbepflanzter Spazierweg führt aus der Innenstadt heraus. Die Geschäftsstraßen sind ebenfalls sehr hübsch - Läden aller Art machen deutlich, dass die Franzosen in Sachen Mode doch die Nase vorn haben, ohne dass die Kleidung dabei überteuert wäre. Allerorts können sich Touristen mit Souvenirs eindecken: Da sind einerseits die Nahrungsmittel aus der Region wie Cidre, Calvados, Karamell und zartes Buttergebäck, andererseits witzige T-Shirts und Postkarten, die sich über die Normandie lustig machen. Außerdem Kochbücher, Kriegsfiguren (dazu komme ich später), Spitzen und allerhand anderer Schnickschnack.
Um die Stadt herum führt eine Ringstraße, an der alle möglichen großen Geschäfte zu finden sind: Supermärkte, Baumärkte, von denen es hier noch viel mehr als in Deutschland gibt, Autohändler usw. Hier decken wir uns bei Aldi Marché und Carrefour ein. Der Aldi - ein Ableger des deutschen Aldi Nord - sieht exakt aus wie deutsche Aldis, allerdings werden hier nur französische Produkte vertrieben (während im ebenfalls vorhandenen Lidl der gleiche Ramsch zu finden ist wie in Deutschland). Viele sind von ebenso hoher Qualität wie in Deutschland - der Käse ist absolut köstlich und Camenbert-artige Käse erhält man hier auch im richtigen Reifegrad, nicht deutsch-knall-hart. Außerdem kauften wir köstliche Taboulée, einen überall erhältlichen Couscous-Salat, sehr leckere Frühstückskekse und mittelmäßigen Cidre. Meistens jedoch kaufen wir in der französischen Supermarkt-Kette Carrefour ein. Da wir tagsüber unterwegs warm zu Mittag essen, gibt es abends meist Salat, Brot und Käse. Und natürlich leckere Desserts: cremige Zitronenjoghurts, Karamell-Reispudding, Zitronentarte, Maronencreme und Pistaziencreme.
Schließlich sei noch eine normannische Spezialität erwähnt, die Androuillette heißt und eine Art Wurst ist, die mit allerhand Fleischresten gefüllt ist - Schweinemagen ist auch mit dabei. Tapfer wie wir sind haben wir das auch in einem Restaurant probiert und es war nicht unser Fall. Es schmeckt sehr stark nach Innereien und riecht auch eher unangenehm. Dabei wurde es in einer sehr leckeren Senfsauce serviert. Nunja…
Damit endet Teil 1 meines Reiseberichts. :-)

























