Wurmkompostierung auf dem Balkon
Wurmkompostierung kenne ich schon aus meiner Dachterrassen-Zeit. Damals haben wir große Zementmischwannen seitlich mit Luftlöchern versehen, alte Erde, Küchen- und Gartenabfälle hineingeworden und ein paar hundert Kompostierwürmer hineingekippt. Das war noch etwas suboptimal, weil wir, wenn wir Kompost bzw. nutzbare Erde daraus gewinnen wollten, den ganzen Behälter auskippen mussten und dann bereits nutzbare Erde heraussammeln.
Es gibt aber auch schon vorbereitete Wurmkompostierer und so ein Teil habe ich mir nun zugelegt. Bei Wurmwelten.de gibt es ein ganzes Startpaket. Dort bekommt man die Behälter (beschreibe ich später noch genau), rund 1000 spezielle Kompostwürmer, Wurmfutter und einen Mineralmix (das bekommt den Würmern gut und sorgt für eine bessere Qualität des Komposts), eine Hanfmatte und einen Kokosfaser-Block. Kostet 119 EUR plus Versand. Dafür sind die Behälter ziemlich optimiert und vor allem auch dicht, so dass höchstens mal ein ganz kleiner Wurm flüchten kann.
Das Prinzip ist folgendes: Man füttert die Würmer mit Pappe und Papier sowie mit Küchen- und Gartenabfällen, sie fressen das und scheiden Kompost aus. Das ist der beste denkbare Pflanzendünger und man kann damit ältere Erde wieder auffrischen. Das ist praktisch, denn man wirft weniger weg und muss nicht ständig neue Erde kaufen.
Der Komposter besteht aus einem Standfuß und einem unteren Fach, in dem sich überschüssige Flüssigkeit sammelt und mit einem kleinen Hahn abgegossen werden kann. Diese Flüssigkeit nennt sich Wurmtee und ist auch schon ein guter Dünger. Darüber legt man die erste normale Schicht des Komposters, die unten eine Art Sieb hat. Das wird ganz am Anfang erstmal mit Pappe oder Papier abgedeckt. Der Kokosblock wird in Wasser gelegt, saugt sich voll und bildet dann ein Erd-ähnliches Substrat, in dem die Würmer sich wohlfühlen. Darauf habe ich die Würmer gegeben, die selbst auch schon in einem ihnen angenehmen Substrat sind, in dem sich auch wichtige Bakterien für die Komposterzeugung befinden. Die Würmer können das nämlich nicht alles selbst, sondern sind auf die Hilfe von kleinen Organismen angewiesen, um zu verdauen, ähnlich wie wir Menschen – in unserem Darm leben ja auch allerhand Bakterien.
Weiterhin habe ich in eine Ecke schonmal Küchenabfälle gegeben: Gurkenschalen, ein Apfelkerngehäuse, die Blättchen von Erdbeeren, Kaffeesatz, einige abgestorbene Basilikumzweige und jede Menge Radieschengrün – alles recht kleingeschnitten. Die Würmer haben ja keine Zähne, um das Zeug zu verdauen. Oben drüber kommt die Hanfmatte und dann der Deckel. Die Hanfmatte deckt alles gut ab, sorgt für ein gesundes Klima und verhindert, dass sich Fruchtfliegen einnisten. Die Würmer finden sie auch lecker und fressen sie mit der Zeit auf. Wichtig ist, dass alles schön feucht ist, aber nicht nass.
Damit hatte ich gleich am zweiten Tag Probleme – es regnete und durch die Luftlöcher schüttete zu viel Wasser hinein. Also hob ich die Hanfmatte an und streute über das Substrat überall trockene Papierschnipsel. Nun habe ich die Luftlöcher abgedeckt, aber natürlich so, dass immer noch Luft reinkommen kann. Den Ablaufhahn lasse ich im Moment noch auf, dann kann es auch dadurch lüften.
Insgesamt scheinen mir meine Würmer bisher ganz glücklich. Da, wo das Futter ist, sind besonders viele. Jetzt am Anfang warte ich erstmal, bis sie gute Mengen vom Futter aufgefressen haben, aber später können sie ihre Nahrung wohl recht schnell verarbeiten. Wenn der Komposter voll läuft, können über 10.000 Würmer drin leben, die dann bis zu 2,5 kg pro Woche zersetzen.
Ist die jetzige Etage des Komposters voll, kommt eine weitere drauf, die dann die Küchenabfälle und andere Wurmnahrung enthält. Einige Würmer werden weiter die untere Ebene bearbeiten, andere durch den Siebboden nach oben zum Fressen gehen. Schließlich kommt die dritte Etage drauf. Nach drei Monaten kann man dann aus der unteren den fertigen Kompost entnehmen.
Aber das ist für mich noch graue Theorie, ich steh ja noch ganz am Anfang und gucke mehrmals am Tag nach meinen Würmern, die aber ganz entspannt scheinen. Sie bilden keine Knäule, was wohl ein Zeichen von Stress ist und versuchen auch nicht ernsthaft zu flüchten. Letzteres Problem haben recht viele Leute. Mein Komposter ist zwar so dicht, dass das nicht geht, aber unzufriedene Würmer sitzen wohl haufenweise unter dem Deckel oder in der Flüssigkeitsablauf-Etage und da verirren sich bei mir immer nur wenige hin!
- In dieser Kiste kam das ganze Wurmkompostierer Starterset an
- Das ist der Fuß und die untere Etage, in der sich Flüssigkeit sammeln kann. In das Löchlein kommt noch der Ablusshahn.
- Unten eine leicht angefeuchtete Pappe, damit die Würmer nicht massenhaft durch das Sieb nach unten fallen. Darauf das Kokossubstrat.
- Darauf schüttete ich die Würmer und oben drauf kommt die Hanfmatte.
- Das ist die bisher einstöckige Konstruktion, oben ein Plastikblatt, so dass es durch den Deckel nicht reinregnen kann, unter dem Hahn ein Behälter, damit Flüssigkeit ablaufen kann.
- Das sind ein paar der Würmchen, die durch die Hanfmatte vor dem Licht nach unten flüchten.
Mehr Infos gibt es hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wurmkompostierung
http://www.natuga.de/wissen/kompostwurm_faq.html
http://www.wurmwelten.de/forum/viewforum.php?f=4&sid=a2a3286c9845908822c510e5815b3d7b





















