​Über das freundliche Miteinander und Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

In diese Tagen kommt die „Neuverfilmung“ von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ in die Kinos. Dieses Buch von Boy Lornsen, hundertmal gelesen nach dem Genuss der Fernsehserie, war vermutlich mein absolutes Lieblingskinderbuch. Ich konnte lange Passagen daraus auswendig und habe es auch als Erwachsene immer wieder gelesen.

Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt von Boy Lornsen
Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt von Boy Lornsen

Die neue Verfilmung hat offensichtlich Elemente aus dem Buch übernommen und eine neue Geschichte darum herum gestrickt. Robbi ist mit einem Raumschiff abgestürzt, Super Agenten sind hinter ihm her und wollen ihn für ihre Zwecke missbrauchen.

Im Buch ist das alles viel unspektakulärer. Da muss Robbi, der kleine Roboter, der in die dritte Roboterklasse geht (während Tobbi die dritte Menschen-Grundschulklasse besucht) eine Abschlussarbeit schreiben und braucht dafür menschliche Hilfe. Die Geschichte ist letztlich eine Art Reiseroman, in der die beiden Drittklässler gemeinsam etwas über einen geringelten Leuchtturm, eine Persönlichkeit am Nordpol und eine besondere Burg in Schottland herausfinden.

Das Buch, das ohne deutliche pädagogische Botschaft daherkommt, vermittelt dabei, wie weit man kommen kann, wenn man gemeinsame Ziele verfolgt und freundlich aufeinander zugeht. Robbi, der selbst nichts erfinden kann, baut Tobbis Erfindung, das Fliewatüüt, für dessen Umsetzung wiederum Tobbi nie die Ressourcen gehabt hätte. Danach sprechen sie unterschiedlichste Menschen und Tiere an, die ihnen weiter helfen. Eine Graugans, mit der Tobbi seinen Proviant teilt, korrigiert ihren Flugkurs, schottische Polizisten sind besonders höflich und eine kluge Maus, die mit einem missgelaunten Gespenst befreundet ist, trägt sehr zur Aufklärung eines Geheimnisses bei. Dabei wird es durchaus immer wieder spannend. Das Fliewatüüt stürzt fast ab, Robbi droht zu erfrieren und der Spuk im Schloss ist ganz schön bedrohlich. Aber es braucht keine Rahmenhandlung, in der das Leben eines Protagonisten dauerhaft auf dem Spiel steht und keine bösen Superagenten. Manch ein Charakter ist auch ganz anders als erwartet, wie etwa Nessie, das Seeungeheuer — sie sieht zwar furchteinflößend aus, ist aber ausgesprochen nett, wenn auch nicht wirklich intelligent. Das führt zu sehr witzigen Situationen. Ich habe das Buch auch deswegen so gern gelesen, weil die Grundstimmung positiv und friedlich war.

Glauben wir, dass heute kein Kind mehr ins Kino geht, wenn Anreize wie Schurken und Superagenten fehlen? Muss alles immer schneller, höher, weiter, gruseliger und angsteinflößender sein?
Ich glaube, dass gerade die alte Geschichte aus dem Buch Kindern heute viel zu geben hätte, viel mehr als ein Kinderthriller, bei dem man kaum zum Atemholen kommt.

Vielleicht vertue ich mich auch furchtbar und die Verfilmung ist ganz zauberhaft. Dann allerdings hätte die Marketingagentur schlechte Arbeit geleistet. Ich beziehe mich nur auf die Filmbeschreibung aus dem Pressetext.

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